Selfie im Spiegel mit Baby in rotem Tragetuch

Es war ziemlich schnell klar, das unser Baby von seinem Kinderwagen nicht viel hält. Wie beim Autofahren wurde recht schnell gebrüllt und schlafen wollte er auch nicht mehr darin. Ich hatte von einer Freundin ein Tragetuch von Hoppediz und eine Manduca zur Geburt geschenkt bekommen. Die Manduca haben wir sehr oft genutzt, da er darin weniger brüllte als im Kinderwagen. Aus diversen Facebookgruppen erfuhr ich, dass die Manduca nicht sehr beliebt bei Neugeborenen war. Schließlich sei diese ja nicht für so kleine Babys geeignet. Der Rücken konnte nicht rund genug und die Beine nicht in der empfohlenen Anhock – Spreizstellung sein. Nach langem hin und her habe ich mich durch gerungen das Tuch zu versuchen. Das ging ziemlich in die Hose, jedes Mal wenn ihm das Tuch zu eng wurde, hat er gebrüllt und sich überstreckt. Aus meinem Umfeld kam daraufhin der Hinweis, das der Kleine vielleicht das KISS Syndrom haben könnte und wir ihn zu einem Osteopath bringen sollen. Mein Gedanke war auch, das er spürt das ich zu unsicher bin und er sich darum wehrte. Es lag zusätzlich auch daran, das er pinkeln musste. Das wusste ich zu dem Zeitpunkt leider noch nicht.

Wie man oben erkennt, hing er ziemlich schief da. Zu dem Zeitpunkt hat er geschlafen, sonst wäre das Binden gar nicht möglich gewesen. Ich habe mir dann auf Empfehlung meiner Schwägerin die YouTube Babywearingtutorials von wrapyouinlove angeschaut. Die waren sehr hilfreich, so das ich mit der Zeit auch sicherer im Umgang mit dem Tuch wurde. So richtig zufrieden war ich damit nicht, es dauerte uns beiden einfach immer noch zu lang. Also kaufte ich auf anraten einer Freundin einen Sling. Der ging schon wesentlich besser, sogar stillen klappte darin. Keine fünf Tage später hatte meine Freundin einen Sling von Kokadi entdeckt mit Piratendesign, da dies unser Kinderzimmerthema war, kam ich nicht darum herum den zu kaufen. Der ließ sich noch etwas besser binden. Etwa zwei Monate später habe ich angefangen ihn in der Manduca auf dem Rücken zu tragen. Da ich auch hier in einer Gruppe gelesen hatte, dass er vielleicht mehr sehen wollte. Zu dem Zeitpunkt war er drei Monate alt. Gebrüll gab es trotzdem auch da immer wieder. Allerdings wollten die gut gemeinten Stimmen im Kopf einfach nicht aufhören: “ein Tuch oder eine Trage mit weicherem Stoff sei viel besser” “Manduca ist erst ab einer Kleidergröße 74 geeignet” “Besser erst ab Sitzalter”.

Die Osteopathin hatten wir inzwischen hinter uns gebracht, sie hat weder Blockaden oder nennenswerte Verspannungen feststellen können. Allerdings hat sich in seinem Verhalten beim Tragen und binden ins Tuch nichts gebessert, also wollte ich ein kürzeres Tuch kaufen. Zuerst musste ich herausfinden was für eine Tuchgröße zu mir passte. Es gibt Tücher in den Größen von 2 bis 8. Abhängig von der eigenen Kleidergröße und was man binden möchte, wählt man dann eins aus. Es geht mit ca 2,7 m los, immer in 50 cm Schritten, je nach Hersteller kann das etwas variieren. Ich war auf der Suche nach einem Schnäppchen, weil ich mir nach wie vor unsicher war ob das mit dem Tuch sinnvoll ist. Es wurde ein Didymos in einer Tuchgröße 4 (3,7m). Später fand ich auch noch heraus, dass das Hoppediz ein elastisches Tragetuch und daher vermutlich aufgrund seines Gewichtes nicht geeignet war. Auch meine bindeweise für das Tuch war nicht richtig. Allerdings hatte ich selbst mit der zwischenzeitlich herausgefunden richtigen bindeweise ebenfalls Probleme.

Später hatte mir meine Schwägerin auch noch einen ihrer Giveawaygewinne zugeschickt. Ein Tuch in Größe 7 (5,2m) aus Biobaumwolle der Marke Babylonia, leider war das auch sehr lang. Wir sind weiterhin täglich mit der Manduca spazieren gewesen und mit dem Sling konnte ich die entsprechenden Hausarbeiten erledigen. Mit meinem Didymos hab ich dann langsam angefangen ihn auf dem Rücken zu tragen, erstmal nur in der Rucksackbindeweise. Da ich mit den Tüchern immer noch nicht glücklich war, habe ich mir eine Flytai von Fidella zugelegt. Eine Trage komplett aus Tuchstoff mit Trägern zum Straffen und Hüftgurt zum Binden. Irgendwie hat mich dann wohl der Kaufwahn gepackt und ich habe mir von Fidella ein Tragetuch in der Größe 6 (4,7) gekauft, aus Baumwolle. Das war von allen bisherigen das dickste Tuch. Mit der Flytai habe ich dann auch angefangen auf dem Rücken zu tragen. Mit mehr Mut im Bauch habe ich angefangen den Doublehammock zu binden. Hat bei den ersten Malen nicht wirklich geklappt, aber mit etwas Übung lief das dann besser. Auch mein Mann hat angefangen mit der Flytai zu tragen, allerdings nicht auf dem Rücken und ich musste ihn einbinden. Ab da wurde der Kinderwagen auch weniger getestet. Bis dahin hatte mein Mann wohl noch die Hoffnung, das der Kleine in den Kinderwagen geht. Dies endete meist nach zwanzig Minuten, da er anfing zu brüllen, so das einer von uns beiden ihn dann auf dem Rückweg tragen musste.

Schließlich habe ich mein Nageldesignhobby aufgegeben und entschieden, das die Tragerei mein Hobby sein konnte, da wir das schon täglich machten. Also habe ich anhand von YouTube angefangen verschiedene Bindeweisen zu testen und entsprechend auf Facebook und Instagram Bilder gepostet. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt alles einmal zu versuchen und jeden Tag eine andere zu üben. Ich fing erst mal mit den Trageweisen für vorn an zum Beispiel der Coolesthipcarry oder Annas finish. Immer wieder durfte ich meinen Mann davon überzeugen, das die Tücher und Tragen dafür gemacht sind um den Rücken und die Arme zu entlasten. Somit habe ich ihm auch immer wieder den Sling oder die Flytai binden dürfen. Für die kalte Jahreszeit kaufte ich mir eine Tragejacke von Gofuture, die für das Tragen für vorn und hinten geeignet war. Inzwischen konnte ich ohne Probleme den Kleinen zum Kochen auf den Rücken binden. Da er ganz selten in der Wippe oder dem Maxicosi zufrieden war. Um meine Fähigkeiten zu verbessern fing ich an auf Facebook Challenges mit zu machen. Das bedeutet nach Vorgabe jeden Tag, meist einen Monat lang, sich eine andere Bindeweise anzueignen und dann das Resultat zu posten.

Unser Kind war inzwischen ein sogenannter Vollzeitragling. Egal wohin ich ging, es war immer ein Tuch dabei um im Notfall den Kleinen rein zu packen. Solange er noch nicht in den Einkaufswagen sitzen konnte wurde er beim Einkaufen in den Sling gebunden. Zu guter Letzt gönnte ich uns das sogenannte Geburtstuch, ein Tuch das am Tag der Geburt veröffentlicht wurde. Das war mit Abstand das teuerste Tuch, es hat Superhelden darauf abgebildet ich konnte nicht widerstehen. Meine Schwägerin schenkte uns zu unserer Hochzeit ein Tuch in Größe 2 ursprünglich dachte ich mit so einem kurzen Tuch würde ich nicht zurecht kommen. Da habe ich mich ordentlich getäuscht, sogar mein Mann ging dazu über den Kleinen in dem Tuch zu tragen. Allerdings musste ich den Kleinen auch hier einbinden, dass war inzwischen kein Problem mehr. Außerdem war es das erste Tuch das keine reine Baumwolle war. Es hatte einen Merinowolleanteil, der das Tuch sehr stabil und warm machte. Falls ich je noch mal vorhabe ein Tuch zu besorgen dann eines mit einer ausgefallenen Materialmischung und einer Marke die ich noch nicht besitze.

Inzwischen ist unser Tragling ein Laufling geworden, das bedeutet nicht das wir nicht mehr in den Tüchern tragen. Wenn er sehr müde ist oder ich einfach Dinge schneller erledigen will, dann kommt er ins Tuch. Es gab eine Zeit da hat er beim Anblick des Tuches schon gemeckert und zu verstehen gegeben das er nicht rein möchte. Durch Zufall bin ich darauf gekommen ihn anders auf den Rücken zu packen, im sogenanntem Superman. Man stellt das Kind mit dem Rücken zu sich und schwingt es dann an den Schultern haltend auf den Rücken. Seitdem ist es kein Problem mehr. Spazieren gehen wir inzwischen mit dem Buggy, den liebt er seit er laufen kann.