Ein Jahr Therapie

Vor einem Jahr an meinem 39. Geburtstag habe ich die Entscheidung getroffen in Therapie zu gehen. Ich habe lange mit mir gehadert und sogar mit meiner Schwiegermutter deswegen gestritten. Ihre Idee war stattdessen öfter mit ihr zu telefonieren und die Kinder öfter zu bringen. Kann sie ja gut sagen denn ihr Mann, mein Schwiegervater, hat die meiste Arbeit mit den Enkeln. 

Die Gründe 

Mit der Geburt des ersten Kindes merkte ich schon das ich ständig im Zwiespalt war, einerseits wollte ich für unseren Sohn Sa sein, andererseits hat es mich wahnsinnig gemacht wenn er brüllte. 

Und immer dieser Spruch: als Mutter weißt du was bedingungslos lieben bedeutet, weil du es ja erlebst.

Ich fragte mich dauernd wann das denn anfängt oder ob es schon der Fall ist und ich es nur nicht mitbekommen habe. 

Ich raste also rasant in den Mama Burnout und hatte zum Glück einen aufmerksamen Mann der zwar nicht genau wusste was los war, aber merkte es muss sich was ändern. 

Ich bekam Auszeiten

Er schnappte sich den Zwerg damals ungefähr sechs Monate alt und ging zu seinen Eltern. 

Von da an fast jeden Sonntag. Ich habs genossen aber auch schwer gefunden da mein Kind loszulassen und die Kontrolle abzugeben. Es fiel mir schwer nicht mehr zu wissen, wie es meinem Sohn dort geht. Erstrecht als mein Mann ihn dann nach Monaten allein dort gelassen hatte.

Mit Ende der Elternzeit kam für mich leider nicht mehr Zeit für mich sondern der Weg zurück ins Angestelltenverhältnis. Aber ich merkte, dass mich die Arbeitstage einfach stressten. Ich hatte gefühlt nie genug Energie  für mein willensstarkes, nie schlafenwollendes Kleinkind. Wir waren täglich im Gefühlskarussell. Wenn du darüber mehr wissen willst einen etwas älteren Blogbeitrag zu meinem Highneedbaby habe ich auf meinem privaten Mamablog geschrieben.

Zweites Kind

Ich wurde wieder schwanger als der Große drei Jahre alt wurde und damit fing der Kampf an. Aus mir unerfindlichen Gründen wurde er mir gegenüber handgreiflich und aggressiv. Wir haben einige Fehler gemacht und durften die Entthronung des Erstgeborenen mit voller Breitseite kennenlernen. In meiner Verzweiflung kam es dann zu unschönen Situationen und ich merkte das kann so nicht weiter gehen.

Als direkt nach der Geburt auch noch der Lockdown kam, wars dann klar ich schaffe es so nicht. In Gesprächen mit Freundinnen und anderen Müttern, kamen oft Tipps ob ich denn mal mit unserem Sohn einen Spezialisten aufsuchen sollte.

Tatsächlich war bei mir aber der Punkt erreicht, dass ich mich schon sehr mit mir selber beschäftigt hatte. So wollte ich erstmal bei mir ansetzen bevor ich mich um die Probleme mit unserem Kind kümmern wollte.

Mein 39. Geburtstag war durch viele kommunikativer Unstimmigkeiten so grottig, dass ich den halben Nachmittag damit verbrachte Therapeuten abzutelefonieren.

Erst am Tag danach hatte sich eine gemeldet.

Erste Therapiesitzungen

Es fühlte sich komisch an und ich wusste nicht so wirklich was ich überhaupt reden sollte. Ich bin aus der Sitzung raus und wusste nicht ob ich da nochmal hin wollte.

Es gab trotzdem viele neue Erkenntnisse und plötzlich einen Platz bei dem es nur um mich gehen sollte. Natürlich war die Situation mit den Kindern der Auslöser gewesen, aber nun durfte es mal um mich gehen. Sollte sogar.

Welche Erkenntnisse gab es?

Es kam heraus, das prenatale und postnatale Umstände dazu geführt haben, dass ich immer wieder an meine Grenzen im Umgang mit meiner Familie und mir komme. Meine Sichtweise auf Liebe, Gewalt und Kommunikation waren bisher offensichtlich, ich beschreiben es mal als merkwürdig.

Außerdem wurde mir bewusst, dass ich keine sinnige Definitionen für “glücklich oder eine gute Mutter sein” hatte.

Ich hatte verlernt oder vielleicht noch nie gelernt meine Grenzen zu wahren und zu kommunizieren. Das spürte ich gerade bei meinem ersten Sohn gewaltig, der beachtet bis heute keine Grenzen.

Mir tut es unglaublich gut jemanden zu haben, der von außen auf schwierige Situationen schaut und mir Tipps und Tricks geben kann. Das erste Mal in meinem Leben habe ich mich so richtig beleuchtet und weiß nun besser, was ich will.

Es gab für mich auch neue Wege mich mit mir und der Beziehung zu meiner Mutter zu beschäftigen. Die Überlegung, dass viele Probleme die ich habe, womöglich gar nicht meine sind. Sondern von meiner Mutter oder sogar deren weiblichen Ahnenreichen.

Ich habe mich für ein Studium zur Resilienztrainerin entschieden. Schaue danach wie ich mich mehr oder überhaupt lieben kann. Versuche weiter mein inneres Kind zu heilen und weiß das ich sicher noch Jahre brauche um dahin zu kommen wo ich hin will.

Wenn du auch mal jemanden brauchst der für dich den Blick von außen macht dann lass uns zusammen ein Klarheitsgespräch führen.

Um mich noch etwas besser kennenzulernen schau doch bei meinen Fun Facts vorbei.

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