Einen Scheiß muss ich: Diese Regeln ignoriere ich einfach.

von | Juli 29, 2026 | Selbstmanagement | 1 Kommentar

Die Blogparade von Silke Geissen trifft es so gut, dass ich sofort Lust hatte, mitzuschreiben. Wer mich kennt, weiß: Ich denke inzwischen genauso. „Einen Scheiß muss ich“ ist bei mir längst kein Trotzspruch mehr, sondern eine Haltung. Aber das war nicht immer so.

Einen Scheiß muss ich als Mama mit Kindern

Mit der Geburt unseres ersten Sohnes hat sich noch mal etwas in mir verschoben. Wer hätte gedacht, dass es dann erst richtig losgeht mit den „Das musst du so machen“-Ratschlägen. Anfangs dachte ich tatsächlich, ich müsste ihn überallhin mitschleifen. Ganz nach dem Motto: Die Urgroßeltern sind schon nicht mehr die Jüngsten, wer weiß, wie lange sie noch leben, und die sollen doch was von ihrem Enkelkind haben.

Mein Sohn hat das schlicht anders gesehen. Jede Fahrt, jeder Ausflug war im ersten Jahr grässlich für ihn. Also habe ich aufgehört, ihn zu solchen Terminen zu zwingen, solange er sich nicht klar dazu äußern kann.

Und da sind noch mehr Regeln, die ich für mich gestrichen habe:

  • Mein Kind für die Erwartungen anderer durch die Gegend kutschieren.
  • Kindergeburtstage als Mottoparty mit selbstgebastelter Deko zelebrieren. Meine Jungs erinnern sich später sowieso eher daran, wie gelassen ich an dem Tag war, als an die Girlande.
  • Bei jedem Elternabend, jedem Kuchenbasar und jeder Klassenfeier dabei sein. Ich wähle aus, wo ich wirklich gebraucht werde, und lasse den Rest los.
  • anderen erlauben, meine Kinder ungefragt zu berühren, auch wenn’s Verwandte sind.

Einen Scheiß muss ich im Business

Wenn du ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen willst, heißt es, du musst launchen. Webinar, Freebie, irgendwas, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich habe es ehrlich versucht. Wer wirklich kaufen will, findet mich auch so, mit dem, was ich längst in meine Internet-Bubble geballert habe.

Auch bei den restlichen Business-Regeln sage ich mittlerweile: Einen Scheiß muss ich.

  • Ads schalten, um meine E-Mail-Liste aufzubauen. Ich weigere mich, Meta mehr zu geben als meine Daten. Die verdienen schon genug an mir.
  • Täglich posten, bis genug Follower irgendwann zu Kunden werden. Als Resilienztrainerin poste ich, wenn es für mich passt, nicht weil ein Algorithmus es verlangt.
  • Täglich genug Leute kaltakquirieren. Das habe ich genau einmal gemacht, erfolgreich sogar, für Interviews zu meiner Abschlussarbeit als Resilienztrainerin. Ansonsten geht das für mich nicht.
  • Erfolg nur an Umsatzzahlen messen. Erfolg lässt sich an so viel mehr festmachen als an einer Zahl auf dem Kontoauszug.
  • Erst eine Sache beenden, bevor die nächste beginnt. Wenn ich mich immer daran gehalten hätte, gäbe es einige meiner besten Projekte gar nicht.
  • Vollzeit selbstständig sein, damit es zählt. Ich arbeite Teilzeit in der Buchhaltung eines Karosseriefachbetriebs, und daneben begleite ich Frauen als Organisationsmentorin. Beides zählt.
  • Einen Businessplan mit Fünf-Jahres-Vision schreiben, bevor ich überhaupt anfangen darf. Mein Business ist gewachsen, während ich es gemacht habe, nicht davor auf dem Papier.

Persönliches

Ich bin in einem Haushalt groß geworden, in dem man Dinge einfach so tut, wie man sie tun soll. Bloß nichts hinterfragen, nicht auffallen, schön brav sein. Die Gründe dafür kenne ich heute. Als Kind hat es mich trotzdem fast in den Wahnsinn getrieben, wie sehr man angepasst sein musste, gerade wenn es um andere Erwachsene und die Familie ging. Jeder Geburtstag, jede Feier, überall musste mitgemacht werden.

Erst als Jugendliche habe ich mich getraut, dem ein Ende zu setzen. Ich habe erklärt, dass ich kein Familienmensch bin, und bin einfach nicht mehr aufgetaucht. Interessant dabei: Bei Feiern in den Familien meiner Partner und Freunde war ich sehr wohl dabei. Es ging also nie um die Feiern an sich, sondern um das Müssen.

Als Erwachsene hatte ich das Glück, oder Pech, wie man es nimmt, dass mein Beruf mich oft gezwungen hat, Familienfesten fernzubleiben. Eine Ausrede, die keine war.

Auch sonst lege ich Regeln ab, die nichts mit den Kindern oder dem Business zu tun haben, sondern nur mit mir:

  • Professionell aussehen, um Kunden zu bekommen. Mit meinen aktuell pinken Haaren habe ich da wohl schon verloren. Sorry, das ändere ich nicht. Wir haben genug Grau in der Welt.
  • Um 5 Uhr aufstehen, um den Tag richtig zu starten. Für eine Nachteule wie mich der Killer, ganz abgesehen davon, dass eines der Kinder sofort mit wach ist, egal wann ich aufstehe.
  • Als Organisationsmentorin einen perfekt aufgeräumten Alltag vorleben. Ich helfe kreativen Chaotinnen genau deshalb so gern, weil ich weiß, wie sich Chaos von innen anfühlt. Ordnung ist bei mir ein Werkzeug, kein Statussymbol.
  • Multitasking als Superkraft beherrschen. Genau das Gegenteil predige ich in meiner Arbeit als Resilienztrainerin, und genau das lebe ich inzwischen auch.
  • Krankfeiern, nur weil ich selbstständig bin. Ein Tag im Bett bringt mein Business nicht zum Einsturz. Meine Gesundheit ist mir mehr wert als jede Deadline.

Fazit: Wer bestimmt eigentlich, was du musst?

Wenn ich mir diese Liste so ansehe, wird mir noch mal klar, wie viele fremde Regeln sich einschleichen, ohne dass man es merkt. Genau deshalb lohnt sich der Blick von außen, und genau deshalb liebe ich Aktionen wie diese Blogparade. Was bei mir übrig bleibt, wenn ich all das weglasse: mehr Zeit, mehr Energie, mehr Gelassenheit. Für meine Jungs, für mein Business, für mich.

Was fällt dir noch ein, wenn du an dein eigenes „Einen Scheiß muss ich“ denkst? Ich bin gespannt.

Wenn du merkst, dass auch du zu viele fremde Regeln mit dir herumschleppst, und dir dabei jemanden an die Seite wünschst, der dich beim Aussortieren unterstützt: In meinem Newsletter bekommst du jeden Dienstag Impulse für mehr Gelassenheit.

1 Kommentar

  1. Liebe Alexandra,

    ich bin begeistert! Vielen Dank für diesen schönen, emotionalen, ehrlichen Artikel zu meiner Blogparade. Ohja, einen Scheiß musst du mit deinen Kindern!Besonders diese Show-Geburtstage und das Anfassen der Kinder haben es mir angetan. Obwohl … auch das Hinschleppen, wo sie nicht hingeschleppt werden wollen, die Lütten. Wir sprachen gerade heute über eine Reise mit Kinderbetreuung, bei der die Betreuer doof waren und die anderen Kinder auch. Die anderen Eltern bezeichneten mich als Weichei, weil ich mein Kind nicht abgab. Stattdessen gurkten wir durch italienische Felder, knusperten italienische Kekse und machten Seifenblasen auf den schmalen Stufen von Viterbo, einem mittelalterlichen Städtchen. Einen Scheiß musste ich!

    Ich feiere dich und deinen Artikel; es liest sich alles so stimmig und richtig und – ja, gelassen. Ziel erreicht, würde ich sagen.

    Ganz wunderbar, du machst mir eine große Freude, und ich danke dir, dass ich dich auf diesem Weg ein wenig kennenlernen darf.

    Liebe Grüße
    Silke

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