Kaum ein Thema beschäftigt frischgebackene Eltern so sehr wie der Schlaf. Oder genauer: das fehlende Davon. Ich möchte dir heute von unseren Erfahrungen erzählen, weil ich damals so dringend gebraucht hätte zu hören, dass es andere Babys gibt, die einfach anders schlafen. Und dass das völlig normal ist.
Inhaltsverzeichnis
Was steckt eigentlich hinter dem Schlafverhalten von Babys?
Das Schlafverhalten kleiner Kinder hängt stark mit der Hirnreife zusammen. Wenn Babys noch sehr klein sind, ist ein leichter Schlaf überlebenswichtig: Sie haben öfter Hunger und möchten immer wieder sicherstellen, dass sie in Sicherheit sind. Als “Durchschlafen” gilt übrigens bereits eine Schlafdauer von sechs Stunden am Stück. In Deutschland wird das schon von Babys erwartet, in den meisten anderen Ländern erst ab etwa fünf Jahren.
Noch heute wird vielen Müttern empfohlen, ihr Kind schreien zu lassen, damit es alleine einschlafen lernt. Mir war von Anfang an klar, dass ein solches Training bei unserem Sohn nicht möglich gewesen wäre. Ich bin aber auch nie auf den Gedanken gekommen, dass ich irgendetwas antrainieren müsste.
Die ersten Wochen: Schlafen, aber nur auf mir
In den ersten vier Wochen hat unser Sohn quasi nur geschlafen, allerdings so gut wie nie allein. Meist lag er auf mir, nur mit der Brust im Mund. Schon im Krankenhaus wollte er nie im Bettchen schlafen. Da ich nach dem Kaiserschnitt ihn nicht schmerzfrei ablegen konnte, war diese Lösung ehrlich gesagt auch für mich einfacher.
Zu Hause habe ich anfangs versucht, ihn im Stubenwagen schlafen zu legen. Nach genau zehn Minuten wurde gebrüllt und erst aufgehört, wenn er bei uns lag. Auch tagsüber war das so. Wenn ich Glück hatte, konnte ich kurz die Wäsche machen.
Ab der fünften Woche: Leichterer Schlaf, anstrengendere Einschlafbegleitung
Nach diesen vier Wochen änderte sich etwas. Der Schlaf wurde leichter, die Einschlafbegleitung dafür anstrengender. Oft hat das Einschlafstillen nicht geklappt, dann sind wir rausgegangen spazieren. Im Kinderwagen wollte er aber schon früh nicht mehr schlafen, also ging es meistens mit Tuch oder Trage raus. Dabei war es anfangs normal, dass er maximal dreißig Minuten schlief oder kurz vor der Haustür einnickte und beim Geräusch des Schlüssels im Schloss direkt wieder wach war.
Der Ratschlag, nicht extra leise zu sein, damit sich das Baby an Geräusche gewöhnt, hat bei uns sehr unterschiedlich funktioniert. Mal störte der Rasenmäher des Nachbarn, beim nächsten Mal nicht. Beim Schlüsselklappern des Papas ist er aufgewacht, beim Bohren des Nachbarn hat er weitergeschlafen. Das hing vermutlich von der jeweiligen Schlafphase ab. Je kleiner Kinder sind, umso kürzer ist die Tiefschlafphase, und die Übergänge zwischen den Schlafphasen verlängern sich erst mit zunehmendem Alter.
Was uns zusätzlich den Schlaf geraubt hat
Manchmal war er sieben Stunden am Stück wach, egal was ich versucht hatte. Der Moro-Reflex hat ihn bis zum vierten Monat immer wieder geweckt. Auch der Milchspendereflex hat ihn oft aufgeschreckt oder gar nicht erst einschlafen lassen. Kurz vor dem Einnicken fuhr es wie ein Blitz durch ihn, und er war wieder hellwach.
Ich habe viel zu spät gelernt, seine Müdigkeitszeichen zu deuten. Das klassische Augenreiben gab es bei ihm lange nicht. Bei ihm zeigte sich Müdigkeit eher daran, dass er sich im Nacken oder an den Ohren kratzte.
Eine Freundin gab mir den Tipp, das Zimmer abzudunkeln, weil dabei Hormone ausgeschüttet werden, die Müdigkeit fördern. Das hat tatsächlich geholfen. Nach dem Stuhlgang war dagegen an Schlafen kaum noch zu denken. Und wenn er nur fünf Minuten Schlaf hatte, reichte das oft aus, um die nächsten Stunden wach zu bleiben.
Aus dem Bauch heraus wollte ich streicheln, singen oder erzählen. Genau das hat ihn lange gestört. Selbst die Geräusche aus meinem Körper waren beim Einschlafen manchmal zu laut. Er ließ sich von allem ablenken.
Mit mehr Mobilität kamen klarere Signale
Je mobiler er wurde, umso deutlicher zeigte er, wenn er nicht schlafen wollte. Anfangs krabbelte er raus und zeigte auf die Tür, später versuchte er mich an den Schultern hochzuziehen. Als er laufen konnte, stand er auf und rannte weinend aus dem Zimmer.
Ich habe versucht, Abendrituale einzuführen. Das klappte anfangs nicht. Der Versuch, ihn nur noch mit Nachtlicht spielen zu lassen, funktionierte solange, bis er selbst das Licht wieder anmachen konnte.
Was sich nach dem Abstillen verändert hat
Beim Abstillen haben wir die Einschlafbegleitung komplett umgestellt. Singen, klatschen, erzählen, streicheln, Popo klopfen. Unser Ritual sah dann so aus: Er durfte sich zuerst selbst die Zähne putzen, danach habe ich nachgeputzt. Er wurde umgezogen und bekam die Windel an. Je nach Laune wurde noch kurz gestillt. Dann ging es ins Bett, wo oft noch ein bisschen getrunken oder nochmal die Toilette aufgesucht wurde. Manchmal wollte er noch etwas mit ans Bett nehmen. Meist schlief er am Ende auf mir ein.
Das zweite Lebensjahr: zwei Phasen, kein festes Muster
Mit 21 Monaten haben wir versucht, auf den Mittagsschlaf zu verzichten, weil er abends oft erst um 22 Uhr einschlief. Das Ergebnis: Er schlief am späten Nachmittag einfach irgendwo ein und ging dann noch später ins Bett. Wir haben anscheinend zwei Phasen: In der einen schläft er gegen 12 Uhr Mittag und ist um 20 Uhr im Bett, meist auf mir, und schläft bis 7 oder 8 Uhr durch. In der anderen macht er keinen oder sehr späten Mittagsschlaf, geht um 22 Uhr ins Bett und steht trotzdem um 7 Uhr auf.
Mit 22 Monaten kann ich abends oft aufstehen und für zwei Stunden rausgehen. Er wacht manchmal kurz auf, meckert, setzt sich sogar hin und schläft dann alleine weiter. Manchmal weckt ihn die volle Blase oder er möchte an die Brust, dann kann auch der Papa nichts machen.
Ein letztes Wort an dich
Kein Baby schläft wie das andere. Kein Rat passt auf jedes Kind. Was ich dir mit diesem Artikel sagen möchte: Wenn dein Baby nicht so schläft, wie es die Bücher beschreiben, bedeutet das nicht, dass irgendetwas falsch läuft. Es bedeutet, dass dein Kind ein Individuum ist.
Ich wünschte, ich hätte damals mehr solche Geschichten gelesen. Deshalb schreibe ich diese hier auf. Du bist nicht allein damit.
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