Ich geb’s zu: Mein Schreibtisch sieht meistens aus, als hätte ein Post-it-Tornado gewütet. 🤭 Und ja, ich bin trotzdem Organisationsmentorin. Oder besser gesagt: die unorganisierte Organisationsmentorin.

Als ich mich damals als virtuelle Assistentin selbstständig gemacht hab, war ich überzeugt: Wenn ich eine Sache draufhaben muss, dann Organisation.
Ich hatte Kalender-Apps, Trello-Boards, unzählige Vorlagen und Post-its in allen Farben, ich war quasi die wandelnde To-do-Liste. Nur leider war ich auch die wandelnde Überforderung. 😅

Ich dachte, je strukturierter ich bin, desto erfolgreicher werde ich, desto professioneller wirke ich und desto sicherer fühl ich mich.
Kleiner Spoiler: Nichts davon ist passiert. Stattdessen war ich müde, frustriert und hatte ständig das Gefühl, hinterherzuhinken, egal, wie gut ich geplant hatte.

Die Falle der perfekten Organisation

In meiner Branche hieß es immer: „Wenn du gut organisiert bist, dann läuft alles.“ Also hab ich mich verbogen, um da reinzupassen.
Ich hab Stunden damit verbracht, meine Systeme zu perfektionieren, statt sie zu nutzen.
Und habe mich dann schlecht gefühlt, wenn ich mal was vergessen hab, und mich geschämt, wenn mein Desktop aussah, als hätte ein digitaler Tornado drübergefegt.

Organisation war nicht mehr mein Werkzeug, sie war mein Maßstab für Selbstwert geworden.
Ich hab geglaubt, wenn ich chaotisch bin, bin ich unprofessionell. Wenn ich unprofessionell bin, nimmt mich keiner ernst.
Und das, obwohl ich tief im Inneren wusste, dass Struktur mich nicht rettet, wenn ich innerlich am Limit bin.

Und genau das hab ich gespürt, sobald etwas schiefging.
Wenn eine Mahnung kam, weil ich eine Rechnung übersehen hatte, oder ich Unterlagen verbummelt hab, hab ich mich gefühlt wie die schlechteste Selbstständige der Welt.
Nicht einfach nur genervt, richtig beschissen. Dieses Schamgefühl, das sofort schreit: „Na toll, du willst anderen was über Organisation erzählen und kriegst selbst nichts auf die Reihe.“
Ich hab diese Momente gehasst. Aber heute weiß ich: Genau da hat mein eigentliches Lernen angefangen.

Wenn Organisation nur Fassade ist

Je mehr ich mit Kundinnen zusammengearbeitet hab, desto klarer wurde mir: Es geht nie nur um Ordnung.
Ich sollte Ablagesysteme einrichten, Dokumente sortieren, digitale Strukturen aufbauen, aber ganz ehrlich? Die meisten hatten kein Organisationsproblem. Sie hatten ein emotionales.

Da saßen Frauen vor mir, die verzweifelt versucht haben, Kontrolle zu behalten, während ihnen eigentlich alles über den Kopf wuchs.
Sie wollten ihren Schreibtisch aufräumen, aber in Wahrheit wollten sie nur endlich wieder durchatmen (meiner sieht übrigens immer übel aus 🤭).
Und plötzlich hab ich’s verstanden:
Der Schreibtisch ist nur die Bühne. Das eigentliche Chaos spielt sich im Inneren ab.

Ich hab gesehen, wie Stress, Selbstzweifel und Überforderung sich als Zettelstapel getarnt haben. Wie alte Glaubenssätze in Kalendern steckten („Ich muss das schaffen“, „Ich darf keine Pause machen“) und wie Ordnungssysteme oft nur der Versuch waren, Sicherheit zu schaffen, wo eigentlich Vertrauen fehlte.

Das war der Moment, in dem sich bei mir alles verändert hat.

Der stille Druck der perfekten Ordnung

Ich wünschte, ich könnte sagen, dass mir das damals alles egal war. War’s aber nicht.
Ich hab mich regelmäßig total beschissen gefühlt, wenn ich auf Instagram durch die Feeds dieser hyperorganisierten Mamas, Aufräumcoaches und minimalistischen Wohnzimmer-Queens gescrollt hab.
Alles beige, ordentlich, perfekt beschriftet und ich mittendrin mit meiner überquellenden Ablage und dem Schreibtisch, der aussah, als hätte er schon zwei Tassen Kaffee zu viel intus. ☕🙄

Ich hab mich gefragt, warum das bei mir nicht klappt. Warum ich keine „Alles hat seinen Platz“-Frau bin. Warum ich nicht dieses saubere, stille Zuhause hab, das nach Vanillekerze und Produktivität riecht.
Heute weiß ich: Ich hab mich da nicht nach Ordnung gesehnt, sondern nach Ruhe.
Nach diesem inneren Gefühl von „Ich hab’s im Griff“.
Und das kriegst du halt nicht durch beschriftete Boxen, sondern durch emotionale Stabilität.

Akzeptanz statt Perfektion

Ich hab aufgehört, gegen mein Chaos zu kämpfen, und angefangen, mich selbst besser zu verstehen.
Mein Chaos hilft mir vielleicht nicht dabei, perfekt organisiert zu sein, aber es hilft mir, gelassener zu werden. Es erinnert mich täglich daran, dass Akzeptanz ein Resilienzfaktor ist und kein Zeichen von Aufgeben. 🤭

Heute bin ich ehrlich: Ich bin nicht immer organisiert. Ich verliere Notizen, mein Schreibtisch ist ein kreatives Minenfeld, und meine To-do-Listen führen ein Eigenleben.
Aber ich weiß inzwischen, dass das nichts über meine Kompetenz aussagt.

Ich kann unorganisiert sein und trotzdem Menschen helfen, ihre Struktur zu finden.
Ich kann chaotisch sein und trotzdem Ordnung schaffen, nur eben nicht nach Schema F.

Die unorganisierte Organisationsmentorin

Heute nenne ich mich mit einem Augenzwinkern genauso: die unorganisierte Organisationsmentorin.
Nicht, weil ich’s nicht kann, sondern weil ich’s anders mache.
Ich hab gelernt, dass Organisation keine Schönheitsdisziplin ist, sondern ein Prozess, der sich ständig verändert, genau wie wir.

Und ja: Ich hab mir nicht umsonst den Namen Ordnungschaotin schützen lassen, der ist Programm. 😁

Ich bring anderen bei, dass es okay ist, wenn Systeme nicht perfekt sind. Dass Pausen Teil von Produktivität sind. Und dass Chaos kein Feind ist, sondern ein Ausdruck von Leben, Kreativität und Echtheit.

Ich hab verstanden: Ordnung ohne Selbstakzeptanz ist nur Kosmetik.
Und lieber hab ich ein ehrliches, gelebtes Chaos als eine perfekt gestylte Fassade, hinter der ich mich selbst verliere.

Und trotzdem, so ganz leicht ist es nicht.
Ich wär manchmal gern cooler damit, mein Chaos so offen zu zeigen.
Es kostet mich immer wieder Überwindung zuzugeben, dass ich Rechnungen zu spät zahle, Unterlagen verlege oder Projekte länger liegen bleiben, als mir lieb ist.

Ein Teil von mir denkt dann immer noch: „Das darfst du doch nicht zeigen, du bist doch die, die anderen Struktur beibringt!“
Aber genau das ist ja der Punkt: Ich bin nicht perfekt und das muss ich auch nicht sein, um zu helfen.

Fazit (aka mein Mini-Geständnis)

Ich könnte jetzt behaupten, ich hab mein Chaos lieben gelernt.
Aber ehrlich gesagt? An manchen Tagen nervt es mich immer noch.
Der Unterschied ist: Ich verurteile mich nicht mehr dafür. Und das ist für mich wahre Organisation. 😉

Wenn du beim Lesen genickt hast (oder dich dezent ertappt fühlst 😅), dann ist mein Newsletter genau dein Ding. Da gibt’s ehrliche Gedanken übers kreative Chaos, Selbstfürsorge mit Augenzwinkern und kleine Reminder, dass du nicht perfekt sein musst, um verdammt gut zu sein.

Die unorganisierte Organisationsmentorin